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Miteinander statt Gegeneinander! – Position der Supporters Mainz zu aktuellen Sicherheitsfragen

16. Juli 2012

Am 17.7.2012 findet in Berlin ein Sicherheitsgipfel von Politikvertretern und Profivereinen statt, bei dem sich die Teilnehmer dem Thema Sicherheit im Rahmen von Fußballspielen widmen werden.

Da zur Veranstaltung keine der bundesweiten Fanvereinigungen eingeladen sind, möchten wir auf diesem Wege unsere Positionen zu relevanten Schwerpunkten veröffentlichen.

 

Mit einem sicheren Gefühl zu Fußballspielen zu gehen ist uns allen ein wichtiges Anliegen. Die Supporters Mainz als Dachverband der Mainzer Fans sehen Gewaltfreiheit als hohes Gut an.
Daher findet sich ein klares Bekenntnis gegen Gewalt in und außerhalb der Stadien auch in der Satzung der Supporters Mainz e.V.
Unser Wirken ist darauf gerichtet, das Erlebnis Fußball mitzugestalten. Die Vielfalt der Fans und die Unterstützung unserer Mannschaft ist Basis unserer Bemühungen. Gleichzeitig wollen wir die Gemeinschaft der Fans stärken und ihnen eine Stimme bieten. In Mainz und bundesweit.

In den letzten Wochen haben wir mit Mainzer Fans aus unterschiedlichsten Lagern viele Fragen rings um das Thema Sicherheit und Gewaltfreiheit besprochen. Positionen, die gemeinsam vertreten werden, haben wir in einem Papier zusammengefasst und Harald Strutz, der sowohl Präsident unseres 1. FSV Mainz 05 ist, als auch Vorstandsposten bei DFB und DFL bekleidet, vorgestellt.

 

Wir danken der Vereinsführung von Mainz 05 dafür, dass die Stimme der Mainzer Fans auf diesem Wege Beachtung beim Berliner Sicherheitsgipfel findet.

 

Welche Themen bewegen uns mit Blick auf den Sicherheitsgipfel?

 

Dialog als Basis des Miteinanders im Fußball

Es ist unsere grundsätzliche Überzeugung, dass ausschließlich Dialog und präventive Fanarbeit die Garanten für eine Lösung bestehender Probleme sind.

 

  • Dieser Dialog beginnt mit dem Austausch der Fans untereinander. Vielfalt und Buntheit der Fans erfordern gegenseitigen Respekt und Toleranz.
  • Der Dialog zwischen Fans und Verein hilft, die jeweiligen Sichtweisen zu verstehen und Differenzen im Entstehen zu klären.
  • Ein Dialog auf bundesweiter Ebene bündelt Kompetenzen und bringt Entscheidungsträger rund um den Fußball zueinander.

 

Fanbeauftragte als Forderung im Lizensierungsverfahren

Wir fordern verbindliche Regelungen für an alle Vereine, ihren Dialog mit den eigenen Fans zu intensivieren, um Frustpotenzial auf allen Seiten abzubauen.

In Mainz ging man mit der Entscheidung, eine zweite Planstelle für einen weiteren Fanbeauftragten einzurichten, den richtigen Weg. Wenn zudem gesichert ist, dass von den Fanbeauftragten tatsächlich fannahe Arbeit geleistet werden kann – so wie wir das in Mainz erleben – bleiben Erfolge nicht aus.

Lizensierungsbestimmungen müssen deshalb in zunehmendem Maße überprüfbare und klar formulierte Auflagen zur Gestaltung wirkungsvoller Fanarbeit enthalten.

Die Schulung der Fanbeauftragten muss abgestimmt sein, ohne gewachsene Besonderheiten der einzelnen Vereine zu nivellieren. Dabei kann auch auf die Erfahrungen der Fanvertreter in den Vereinen und in den bundesweiten Fanvertretungen zurückgegriffen werden.

 

Finanzierung von Fanprojekten und Sozialarbeit

Im Bemühen, Konflikten im und rings um den Fußball wirkungsvoll und nachhaltig zu begegnen, kommt nach unseren Erfahrungen der Arbeit der sozialpädagogischen Fanprojekte eine enorme Bedeutung zu. Überall dort, wo die materiellen Voraussetzungen dafür geschaffen werden und die inhaltliche Ausgestaltung in einem gesellschaftlichen, über den Fußball hinausgehenden Konsens erfolgt, sind auch Erfolge zu verzeichnen.

Wir fordern die Vereine und Verbände im Profifußball auf, steigende Fernsehgelder zu nutzen, um Mittel für präventive Sozialarbeit der Fanprojekte bereitzustellen. Anders als bei der sonstigen Mittelverteilung zwischen den Vereinen, kann die Höhe der jeweiligen Zuwendung jedoch nicht von erzielten sportlichen Erfolgen abhängig gemacht werden.

Länder und Kommunen dürfen bei der Finanzierung der Fanprojekte keinesfalls aus der Verantwortung entlassen werden. Eine Intensivierung auf Verbandsseite darf nicht zur Einschränkung der Mittelvergabe durch die öffentliche Hand führen, denn soziale Probleme des Fußballs sind stets auch gesellschaftliche Probleme.

 

Gespräche mit Fanvertretungen und überregionalen Bündnissen

Die Nichtberücksichtigung fanseitiger Interessensgruppen beim Berliner Sicherheitsgipfel ist ein Beleg dafür, dass auf Seiten von DFB, DFL und Politik deutlicher Nachholbedarf bei der Einschätzung geeigneter Dialogpartner besteht. Denn auf das Know How von bundesweit legitimierten Fanvertretungen wie „Unsere Kurve“, dem die Supporters Mainz als Mitgliedsverband angeschlossen sind, darf bei der Lösung von Sicherheitsproblemen aus unserer Sicht nicht verzichtet werden.

Exemplarisch für misslungenen Dialog steht die Frage um den legalen Einsatz von Pyrotechnik in deutschen Fußballstadien. Der unvermittelte Abbruch aller Gespräche von Seiten des DFB hat erst dafür gesorgt, dass das Thema Pyrotechnik bis zum heutigen Tag einen solch dominanten Stellenwert einnimmt.

Aus unserer Sicht ist eine Wiederaufnahme des ernsthaften Dialogs mit der Initiative „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ wünschenswert. Nicht, um möglicherweise unberechtigte Hoffnungen zu wecken, sondern um die bisherigen Geschehnisse sinnvoll aufzuarbeiten und letztlich zu einem Ergebnis zu kommen, das von beiden Seiten respektiert wird.

 

Konfliktlösung und Sanktionen

Bei allen Bemühungen, Dialog und Prävention voranzubringen, ist klar, dass wie überall in unserer Gesellschaft auch rings um den Fußball Straftaten geschehen. Sanktionen dafür sind unumgänglich.

 

Platzsperren und andere Kollektivstrafen

Kollektivstrafen beurteilen wir in diesem Zusammenhang kritisch. Hinter dem Ruf nach Platzsperren und dem spieltageweisen Ausschluss von Vereinen steckt unter anderem der erzieherische Wunsch nach Selbstregulierung innerhalb betroffener Fanszenen. Wir sehen nicht, dass eine Regulierung über diesen Weg zustande kommen kann. Viel eher treten Solidarisierungseffekte (mit dem Verein) gegenüber DFB und DFL ein. Ein Bewusstsein für ihr Fehlverhalten ist bei betroffenen Gruppen so nicht zu erzielen.

 

Verbindliche transparente Strafenkataloge

Wir fordern, dass transparente Strafenkataloge erarbeitet werden und bieten im Namen der bundesweit agierenden Fanvereinigungen auch dazu unsere Unterstützung an. Neben der notwendigen Transparenz ist eine bundesweite Harmonisierung von Richtlinien und Sanktionen erforderlich.

Notwendige Maßnahmen und Sanktionen sollen die tatsächlichen Verursacher treffen. Alle Bestrafungen müssen rechtsstaatlichen Prinzipien folgen und im Grundsatz nicht in den Händen der Vereine, sondern in denen der Strafverfolgungsbehörden liegen. Bewährungs- und Rehabilitationsmaßnahmen – hier allerdings in enger Abstimmung mit den Vereinen – sind geeignete Mittel, um Akzeptanz zu schaffen und Solidarisierungseffekte gering zu halten.

 

Stehplätze – kein Thema für Sanktionen

Fußball lebt von der Vielfalt der Fans. Jeder hat seinen eigenen Ansatz, sein Fußballspiel zu erleben. Stehplätze, Sitzplätze, lautes Anfeuern, Gesänge, Jubel oder Beobachten, Analysieren. Die Mischung macht das Besondere des Fußballs aus und jede Art den Fußball zu erleben, braucht ihren Raum im Stadion. Dazu gehören auch Stehplätze.

Günstigere Stehplätze haben eine wichtige Sozialfunktion. Ein Wegfall dieser Plätze würde ganze gesellschaftliche Gruppen vom Erlebnis Fußball ausschließen. Die Einbindung aller sozialer Schichten ist somit eine Pflicht, die auch in Zukunft zur Verantwortung der Profiligen gehört.

Nach unserer Meinung liefern Vergleiche mit Ligen ohne Stehplatzkultur eben gerade nicht Beispiele für geringere Gewaltproblematik. In England und Schottland nimmt man sich auf Verbandsseite mittlerweile sogar die Bundesliga zum Vorbild, um zu einer Stehplatzkultur zurückkehren zu können. Forderungen nach Abschaffung der Stehplätze treten wir deshalb entschieden entgegen.

 

Supporters Mainz, Der Vorstand
16. Juli 2012

 

Die Meldung zum Download:

„Miteinander statt Gegeneinander! – Position der Supporters Mainz zu aktuellen Sicherheitsfragen

 


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