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Einwegbecher im Stadion

8. August 2013

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Mit Beginn der neuen Saison will sich Mainz 05 vom Mehrwegsystem verabschieden

 

Als die Pläne des Vereins vor einigen Wochen bekannt wurden, mit der Umstellung auf eine neue Biersorte auch die Art der Getränkebecher zu ändern, führte dies zu teils heftigen Debatten in der Öffentlichkeit. Auch uns erreichten viele aufgebrachte Zuschriften von Fans und Fanclubs, sowie etliche Presseanfragen, die uns zeigten, dass es sich hierbei um ein sehr ernst zu nehmendes, emotional aufgeladenes Thema handelt.

 

Um zur Versachlichung der Diskussion beizutragen, fragten wir bei Mainz 05 an, welche Entscheidungsgrundlagen für eine Abkehr vom Mehrwegsystem herangezogen werden und wie man (auch unsere) Bedenken gegenüber verschiedenen Bechervarianten im Entscheidungs-prozess berücksichtigen wolle. Leider gibt es dazu bisher keine Antwort von Mainz 05. So liegt uns auch ein von Mainz 05 angekündigtes Gutachten zur Umweltverträglichkeit der zukünftig zum Einsatz kommenden Becher Stand heute nicht vor.

 

Sicherheitsaspekte als Begründung

 

In der öffentlichen Ankündigung des Becherwechsels wurden als Hauptargument gegen die bisher verwendeten Mehrwegbecher Sicherheitsaspekte angeführt und mit Zahlen über Verletzte untermauert. Selbstverständlich begrüßen wir grundsätzlich jede Möglichkeit, Gefahren von Menschen abzuwenden und Gefahrenpotenziale zu minimieren. Unsere Nachfragen bei den Fanvertretungen anderer Proficlubs ergaben jedoch, dass keiner der Vereine, die Mehrwegsysteme nutzen, bisher ein akutes Sicherheitsproblem erkannt zu haben scheint. Zudem können wir zusammenfassen, dass im Spieltagsablauf kaum relevante Unterschiede durch verschiedene Bechersysteme erkennbar sind. Jedoch wird auch die Rutschgefahr durch zertretene Einwegbecher auf den Tribünen von den Partnern in anderen Vereinen nicht gesehen. Genauso wenig gab es bestätigende Rückmeldungen zu einer verstärkten wilden Vermüllung in den Städten, in denen Einwegbecher zum Einsatz kommen.

 

Umweltverträglichkeit fraglich

 

Alle uns vorliegenden Studien zum Thema Umweltverträglichkeit sehen Mehrwegbecher deutlich im Vorteil. Insbesondere wird dem nunmehr in Mainz zum Einsatz kommenden Bechertyp auf Maisstärkebasis eine negative Umweltverträglichkeit bescheinigt und die theoretisch vorhandene Kompostierbarkeit praktisch ausgeschlossen. Was dazu führt, dass die Becher bestenfalls in Verbrennungsanlagen entsorgt werden.

 

Im Zusammenhang mit ebenfalls in den uns vorliegenden Studien angeführten Problemen bezüglich des Anbaus der Rohstoffe (genmanipulierte Maissorten, außergewöhnliche Bodenverdichtung u.a.), scheint die Wahl gerade dieser Becher sogar schlechter als die Nutzung von Bechern beispielsweise aus PET.
Der von uns ebenfalls vorgetragenen Besorgnis in Bezug auf die Vermüllung gerade auch der landwirtschaftlichen Nutzflächen rund ums Stadion wird offensichtlich zumindest insofern Rechnung getragen, als in den Außenbereichen weiterhin Pfandbecher zum Einsatz kommen sollen. Dieses Vorgehen wird seine Praxistauglichkeit unter Beweis stellen müssen, ebenso wie die Entsorgung der Becher in gesonderten Behältern, die in hoffentlich ausreichender Anzahl bereitgestellt werden.

 

Entscheidung überdenken

 

Ungeachtet der klaren Verantwortung von Verein und Caterer für die Verhinderung von Vermüllung, insbesondere im Außenbereich und auf den Verkehrswegen, rufen wir alle Fans auf, die Pfandfreiheit weder als Freibrief für wilde Müllentsorgung zu sehen, noch durch bewusste Umweltverschmutzung den öffentlichen Druck auf den Verein erhöhen zu wollen.

 

Insgesamt ist festzustellen, dass insbesondere bei der Umweltverträglichkeit die Argumente der Kritik nicht durch Mainz 05 entkräftet werden können und die bisher für die Umstellung beigebrachten Argumente sehr schwach sind. Wir empfehlen Mainz 05, die Entscheidung für die Einwegbecher noch einmal zu überdenken oder treffende Argumente transparent vorzubringen. Gerade einem Verein, der sich seit Jahren um die Verbesserung der eigenen Umweltbilanz bemüht, steht ohne nachvollziehbare Rechtfertigung eine Abkehr vom Mehrwegsystem nicht gut zu Gesicht.

 

Supporters Mainz,
Der Vorstand


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