Die Veröffentlichung der neuen Stadionverbotsrichtlinien durch den DFB schlägt bundesweit hohe Wellen. Wir nehmen zum gesamten Prozess und dem daraus folgenden Ergebnis Stellung.
In der Genese der neuen Stadionverbotsrichtlinien muss grundsätzlich zwischen der Entstehung der Diskussion, der inhaltlichen Auseinandersetzung und dem Ergebnis unterschieden werden.
Entstanden ist die Diskussion zu der Anpassung der Stadionverbotsrichtlinien über die immer wieder durch Populismus auffallende Innenministerkonferenz (IMK). Diese hat zuletzt im Dezember in Leipzig getagt und hat „vom Fußball“ klare Ergebnisse gefordert. Dass zum damaligen Zeitpunkt alle öffentlich zugänglichen Statistiken hinsichtlich Straftaten mit Spieltagsbezug klar auf Seite der Fans standen, wurde bereits im Herbst des vergangenen Jahres ausführlich diskutiert. Auch wir hatten den damaligen Innenminister Michael Ebling zu einem Gespräch eingeladen und die Sicht der Fußballfans dargestellt.
Im Nachgang der letzten IMK hat sich der DFB zum Ziel gesetzt, als Lösungsansatz für die Sommer-IMK (17.-19. Juni) die Stadionverbotsrichtlinien anzupassen, um den Populisten aus den Innenministerien etwas präsentieren zu können.
Die vom DFB in seiner Veröffentlichung genannte Zusammenarbeit mit Vertreter*innen von Klubs, Fanprojekten und Fanvertretungen über Fachgremien im Entstehungsprozess möchten wir an dieser Stelle für nichtzutreffend erklären. Weder wurden wir auf lokaler Ebene über Mainz 05, noch wurden Fanvertreter auf Bundesebene über den Dachverband „Unsere Kurve“ beim DFB in irgendeiner Weise involviert.
Wir haben den Entwurf der Richtlinien gemeinsam mit Vertreter*innen des Fanprojekts, der Fanabteilung und der USM in einem Gespräch von den Verantwortlichen von Mainz 05 lediglich vorgestellt bekommen. Wir haben selbstverständlich unsere Kritikpunkte am gesamten Prozess dargelegt und darauf hingewiesen, dass die durch den DFB kommunizierte Einbindung von Fanvertretern auf Verbandsebene nie stattgefunden hat.
Im Nachgang bleibt festzuhalten, dass die von Fanseite geäußerte Kritik entweder von den Verantwortlichen von Mainz 05 nicht beim DFB adressiert wurde oder dort kein Gehör gefunden hat. Dies verwundert allerdings wenig, da im Gespräch bereits deutlich wurde, dass der Prozess zu diesem Zeitpunkt bereits weit fortgeschritten war. Die Möglichkeiten einer ernstzunehmenden Beteiligung durch Fanvertreter*innen war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich und ganz sicher auch nicht mehr gewünscht.
Hier liegt auch unser größter Kritikpunkt in Richtung DFB. Wer öffentlich von einem Prozess, der gemeinsam mit Fanvertreter*innen stattfand, spricht, muss diese auch von Anfang an einbinden und nicht erst dann, wenn die Informationen bereits gestreut und Änderungen unerwünscht sind. Der skizzierte Ablauf seitens DFB und Vereine ist für uns als Fanvertreter nicht nachvollziehbar und das Vorgehen somit auch nicht vermittelbar. Das diese Änderungen auf Akzeptanz in den Kurven stoßen erscheint ausgeschlossen.
Wir möchten an dieser Stelle sowohl dem Innenminister von Rheinland-Pfalz als auch Mainz 05 gegenüber betonen, dass wir, wie gewohnt, jederzeit zu konstruktiven und lösungsorientierten Gesprächen bereit sind. Gerade bei sensiblen Themen wie Sicherheit, Prävention und Stadionverboten braucht es einen ernsthaften Dialog auf Augenhöhe und keine reinen Infoveranstaltungen mit bereits festgelegtem Ergebnis.
Wer sich selbst ein Bild von der neuen Stadionverbotsrichtlinien machen möchte, findet die verabschiedete Fassung hier:
Richtlinien:
Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten – Fassung vom 31. Mai 2026
Erläuterungen:
Hinweise und Erläuterungen zu der Neufassung der Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten
Supporters Mainz e.V., Juni 2026

